Reisebericht: Neapel

Wir hatten letztes Jahr ein paar schöne Wochen in Neapel verbracht. Neben Dolce Vita, Maradonna und den Pflichtbesuchen Vesuv und Pompeji hat die Stadt sowohl zoologisch als auch paläontologisch einiges zu bieten.

Museo di Paleontologia

In einer derart geschichtsträchtigen Stadt wie Neapel, in der es für Archäologiebegeisterte nur so an Sehenswürdigkeiten wimmelt, übersieht man gern, dass die Stadt mit dem Museo di Palentologia auch im Bereich Fossilien gut aufgestellt ist.

Das Museum befindet sich im Bereich der Universität. Der Eingang ist bisschen versteckt über den wunderschönen Giardino di San Marcellino zu erreichen. Der Garten ist auch super geeignet um sich von den heißen Temperaturen und dem Verkehrslärm mal für eine Weile zurückzuziehen. Nur von den kleinen Brunnen sollte man sich fernhalten (Stechmückenparadies!)

Der Zutritt des Museums ist kostenlos, leider wurde es aber zum Zeitpunkt meines Besuchs renoviert, sodass ich nur die erste Halle sehen konnte. Die größte Fläche wird hier unübersehbar vom Skelett eines Allosaurus fragilis eingenommen. Ein weiterer rekonsturierter Schädel wird ebenfalls in der Halle ausgestellt.

Der Großteil der Fossilien ist entlang des Rundgangs um die Allosaurus-Fläche angeordnet. Hervorzuheben sind das Skelett eines Elefantenvogels, unterjurassische Ichthyosaurier, der Schaufelelefant Platybelodon und ein an der Decke montiertes Pterosaurier-Skelett (aus der Gruppe der Anhangueria, genaue Art fällt mir jetzt leider nicht ein).

Museo Darwin-Dohrn

Ein bisschen mehr Glück mit der Ausstellung hatte ich unten am Hafen im Museo Darwin-Dohrn („DaDoM“). Das Museum ist Teil der Stazione Zoologica, zu der neben dem Museum auch das Aquarium, das Schildkrötenzentrum und das Meeresobservatorium gehören.

Die Stazione Zoologica geht zurück auf Anton Dohrn, ein deutscher Zoologe und früher Verfechter der Darwinischen Evolutionstheorie. Neben der Meeresbiologie ist der Schwerpunkt des DaDoM entsprechend das Thema Evolution und die Vielfalt des Lebens.

Es gibt einige Fossilien zu sehen, das Hauptaugenmerk sind allerdings die detailreichen Modelle heutiger und ausgestorbener Meereslebewesen. Besonders beeindruckend fand ich das lebensgroße Diorama eines Walfalls, also ein auf den Meeresgrund gesunkener Walkadaver, der von einer Vielzahl an Aasfressern verwertet wird.

Wer sich außerdem für Reptilien interessiert: Im Außenbereich des Museums lebt eine Population an Ruineneidechsen.

Acquario di Napoli

Nicht unweit des Museo Darwin-Dohrn findet sich das erwähnte Acquario di Napoli. Für Museum und Aquarium lässt sich auch direkt ein Kombiticket erwerben.

Der Besucherbereich des Aquarium ist selbst gar nicht so riesig. Im Eingangsbereich sind einige kleinere Aquarien. In einem davon lebt ein beeindruckend großer Einsiedlerkrebs, auf dessem Schneckenhaus sich noch zusätzlich Seeanemonen angesiedelt haben (siehe in der Galerie oben).

In der Haupthalle folgen drei Reihen an Großaquarien. Der Fokus liegt hier auf den verschiedenen Lebensräumen des Mittelmeers. Wer durch Haitunnel gehen oder Seesterne streicheln möchte, ist hier sicherlich fehl am Platz. Wenn man sich aber für die regionale Unterwasserwelt interessiert oder im gedämpften Licht der Halle einfach bisschen zur Ruhe kommen möchte, darf man hier seine Freude haben. Das Aquarium existiert übrigens fast unverändert seit 1874. Da sieht man über den Mangel an „Gimmicks“ gern hinweg.

Ich hatte an den Stränden von Neapel und Procida auch die Gelegenheit für einige kurze Tauchgänge genutzt. Selbst in Stehtiefe konnte ich mindestens fünf verschiedene Fischarten sehen, darunter Marmorbrassen, Geißbrassen, Meeräschen und eine Grundelart.

Vesuv

Blick in den Krater.

Als Geowissenschaftler quasi ein Pflichtbesuch war dann natürlich der Vesuv. Der Vulkan ist recht unkompliziert mit dem Bus zu erreichen. Für den Krater selbst muss man Eintritt zahlen, man ist dann aber per Fußmarsch relativ schnell oben.

Bereits während der Busfahrt kann man an den Hängen schön die erstarrten Lavaströme aus früheren Eruptionen sehen. Klopfen und selbst Gesteinsproben mitnehmen darf man aber leider nicht. Stattdessen gibt es die Chance Vesuvgestein und daraus gefertigte Souvenirs zu erwerben.

Der Vesuv selbst gehört zum Kampanischen Vulkangürtel, der durch das Aufeinandertreffen der Eurasischen und Afrikanischen Kontinentalplatten entstanden ist. Entsprechend finden sich auch anderswo in der Region Spuren von Vulkanismus.

Vesuv von der Hafenpromenade aus gesehen.

Hervorzuheben sind hierbei besonders die Campi Flegrei, eine Caldera mit mehreren Kratern im Golf von Neapel und unter dem westlichen Stadtgebiet. Der vielleicht bekanneste Teil der Campi Flegrei ist der Solfatarakrater, mitten im Stadtteil Pozzuoli gelegen. Es gibt Möglichkeiten den Krater zu besuchen, während unserer Reise war er allerdings gesperrt und das aus gutem Grund.

Weder die Campi Flegrei noch der Vesuv sind erloschen. Im Solfatarakrater treten heiße Fumarolwolken aus, z. B. hier in einem Drohnenvideo zu sehen. Gleichzeitig scheint sich aktuell in den Campi Flegrei wieder etwas zusammenzubrauen. Grunsätzlich gilt: Irgendwann wird da wieder etwas ausbrechen und Neapel generell ist Erdbebengebiet. Das heißt aber nicht, dass man jeder Gruselmeldung auf den Leim gehen sollte.

Zuletzt soll hier noch der Cratere degli Astroni erwähnt werden, ein großer Vulkankrater in den Campi Flegrei. Im dortigen Naturschutzgebiet sind lebendgroße Modelle von Dinosauriern und anderen ausgestorbenen Tieren ausgestellt. Einen Trip dorthin hatte ich zeitlich allerdings nicht mehr untergebracht.

Pompeji und Herculaneum

Dann wäre da natürlich noch die „Hauptattraktion“ von Neapel: Pompeji. Aber in diesem Zusammenhang auch das weniger bekannte Herculaneum.

Beide römische Städte teilen sich das Schicksal der Zerstörung durch den Vesuvausbruch im Jahr 79. Hat Pompeji bereits in der Frühphase des Ausbruchs eine Schicht an Vulkanasche und Bimsstein abbekommen, kam es zur endgültigen Auslöschung beider Städte erst durch die wiederholten Austritte von pyroklastischen Strömen. Ein Gemenge aus heißem Gas, geschmolzenem und festem Gestein, das die Hänge des Vulkans hinabstürzte.

Dem traurigen Schicksal der damaligen Bevölkerung haben wir es letztendlich zur verdanken, dass beide Städte so gut erhalten sind und man auch heute noch einen einzigartigen Einblick in den römischen Alltag bekommen kann.

Ich bin jetzt kein Historiker, deshalb kann hier nicht groß über den aktuellen Kenntnisstand der Forschung berichten. Aus touristischer Sicht empfiehlt es sich das kleinere Herculaneum zuerst zu besuchen, da es Teilen des weiträumigen Pompejis doch recht ähnlich ist.

Besonders in Pompeji gibt es außerdem angenehm viele Eidechsen zu sehen und die streunenden Katzen dort sind Streicheleinheiten gegenüber zumindest gleichgültig eingestellt.

Mangiare

Zuletzt noch der Hinweis, dass in Neapel die Pizza und andere Köstlichkeiten erfunden wurden. Buon appetito.

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